Sitemap | Kontakt | Disclaimer | Impressum
Das Informationsportal der FEUERWERK HomepageBilder und VideosHerstellung und FunktionsweiseWeitere InformationenLink-Datenbank: Pyrotechnik im InternetFeuerwerk-Videos, Silvesterfeuerwerk und Pyrotechnik-BĂŒcher einkaufen, Bildschirmschoner downloaden...Der Treffpunkt von Feuerwerkern und FeuerwerksfansDie Fotogalerie von Feuerwerkern und FeuerwerkfansTermine internationaler FeuerwerkeInformationsseiten zu wichtigen Wettbewerben und FestivalsDie Fach-Enzyklopädie von Feuerwerkern und Feuerwerksfans
Die Fach-Enzyklopädie von Feuerwerkern und Feuerwerksfans

Lunte

Aus FEUERWERK Wiki

(Unterschied zwischen Versionen)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Version vom 12:50, 14. Apr. 2007 (bearbeiten)
Pyromartin (Diskussion | BeitrÀge)

← Zum vorherigen Versionsunterschied
Aktuelle Version (22:49, 5. Jul. 2010) (bearbeiten)
Ivhp (Diskussion | BeitrÀge)

 
Zeile 1: Zeile 1:
[[Bild:Luntenstockhaeuschen.jpg|thumb|Histor. LuntenstockhÀuschen]] [[Bild:Luntenstockhaeuschen.jpg|thumb|Histor. LuntenstockhÀuschen]]
[[Bild:LunteValencia.jpg|thumb|Moderne Lunte aus Valencia]] [[Bild:LunteValencia.jpg|thumb|Moderne Lunte aus Valencia]]
-;Lunte :(im englischen:Slow Match)+;Lunte :(Englisch: ''Slow Match'')
-Die ''Lunte'' ist eines der Ă€ltesten [[AnzĂŒndmittel]] der [[Feuerwerkerei]]. Sie besteht aus einem geflochtenen Strick aus pflanzlichen Fasern, der mit einer Lauge von Chemikalien getrĂ€nkt wurde. Heutzutage werden Lunten noch auf [[Malta]] (bedingt durch das dort traditionelle, oft mehrere Stunden andauernde Schießen von einzelnen großen, mit viel Liebe und großem Zeitaufwand per Hand hergestellter [[Mehrschlagbombe]]n) und in Spanien (bedingt durch das dort traditionelle [[Luntenfeuerzeug]]) als AnzĂŒndmittel der Kinder fĂŒr [[Kinderfeuerwerk]] benutzt.+Die ''Lunte'' ist eines der Ă€ltesten [[AnzĂŒndmittel]] der Feuerwerkerei. Sie besteht aus einem geflochtenen Strick aus pflanzlichen Fasern, der mit einer Lauge von Chemikalien getrĂ€nkt wurde. Heutzutage werden Lunten noch auf [[Malta]] (bedingt durch das dort traditionelle, oft mehrere Stunden andauernde Schießen von einzelnen großen, mit viel Liebe und großem Zeitaufwand per Hand hergestellter [[Mehrschlagbombe]]n) und in Spanien (bedingt durch das dort traditionelle [[Luntenfeuerzeug]]) als AnzĂŒndmittel der Kinder fĂŒr [[Kinderfeuerwerk]] benutzt.
-Eine moderne Rezeptur zur traditionellen Herstellung:+Eine Rezeptur zur traditionellen Herstellung:
-10m gesponnenes Flachs- oder Hanfseil von mindestens 6mm Durchmesser wird 1 Stunde in einem Holzascheaufguß (10% K<sub>2</sub>CO<sub>3</sub>) oder 5% Kaliumkarbonatlösung gekocht, um Lignin aufzulösen und so die Pflanzenstruktur aufzubrechen. Dieser Prozess heißt in Altdeutsch ''"beuchen"'', im Englischen ''"bucking"''. Danach wird das Seil mit einer Tasse Essig in Wasser gewaschen und getrocknet. Das getrocknete Seil wird dann in einer PlastiktĂŒte mit 100ml einer 5% Bleiacetatlösung in destilliertem Wasser plus 2 Löffel Essig ĂŒbergossen, gut durchgeknetet und anschließend handtrocken gepresst und danach getrocknet.+10m gesponnenes Flachs- oder Hanfseil von mindestens 6mm Durchmesser wird 1 Stunde in einem Holzascheaufguß (10% K<sub>2</sub>CO<sub>3</sub>) oder 5% Kaliumkarbonatlösung gekocht, um Lignin aufzulösen und so die Pflanzenstruktur aufzubrechen. Dieser Prozess heißt in Altdeutsch ''"beuchen"'', im Englischen ''"bucking"''. Danach wird das Seil mit einer Tasse Essig in Wasser gewaschen und getrocknet. Das getrocknete Seil wird dann in einer PlastiktĂŒte mit 100ml einer 5% Bleiacetatlösung in destilliertem Wasser plus 2 Löffel Essig ĂŒbergossen, gut durchgeknetet und anschließend handtrocken gepresst und danach getrocknet.
 +GrundsĂ€tzlich kann jede pflanzliche Faser (selbst gedrehtes Papier) als minderwertiger Ersatz fĂŒr Flachs oder Hanf dienen. Das Bleiacetat kann durch Kaliumbichromat ersetzt werden.
-Nach preußischer Vorschrift von 1860 besteht die Lunte aus einem Âœ-5/8 Zoll dicken, aus 3 FĂ€den Hanfwerg gesponnenen Seil, welches 4 Tage lang in einer Auflösung von 6,1g essigsaurem Bleizucker auf 1 Liter weichem Wasser mit öfterem RĂŒhren getaucht bleibt und danach getrocknet wird. 1 Fuß brennt 1-1,25 Std. (oder im Freien bei Windstille 8 Zoll/Std., im Zimmer 4 Zoll/Std.). +Moderne Lunte wird ohne gesundheitsschĂ€dliche schwermetallhaltige Bestandteile produziert. Ihre Behandlung basiert im wesentlichen auf trĂ€nken mit einer Lösung von [[Kaliumnitrat]] in Wasser. Die Konzentration muss dabei so eingestellt werden, dass die Abbrandgeschwindigkeit der Lunte gleichmĂ€ssig und nicht zu heftig erfolgt, aber auch kein Erlöschen befĂŒrchtet werden muss.
 +ZusĂ€tze oder vorherige Behandlung mit EssigsĂ€ure oder ZitronensĂ€ure können die Abbrandgeschwindigkeit steigern, Kaliumhydroxid dagegen die Aufnahme des Nitrats in die Faser verbessern, Natriumhydrogencarbonat den Abbrand kontrolliert verlangsamen und StĂ€rke die Lunte gegen Feuchtigkeit unempfindlicher machen.
Gute Lunte lĂ€ĂŸt sich leicht entzĂŒnden, brennt auch bei schlechter Witterung gleichförmig fort und bildet eine harte spitze Kohle. Gute Lunte lĂ€ĂŸt sich leicht entzĂŒnden, brennt auch bei schlechter Witterung gleichförmig fort und bildet eine harte spitze Kohle.
-GrundsĂ€tzlich kann jede pflanzliche Faser (selbst gedrehtes Papier) als minderwertiger Ersatz fĂŒr Flachs oder Hanf dienen. Das Bleiacetat kann durch Kaliumbichromat ersetzt werden, so dass keine schĂ€dlichen BleidĂ€mpfe entstehen. 
Weitere historische Herstellungsmethoden sind: Weitere historische Herstellungsmethoden sind:
-[[Ruggieri]] und Morel empfahlen vor 200 Jahren Stricke aus Hanfwerg, die 3 Tage lang in einer Lauge aus Hartholzasche, 1/3 Teil ungelöschtem Kalk, 1 Teil [[Salpeter]] und 2 Teilen gefilterter BrĂŒhe von Ochsen- oder Pferdemist gekocht wurden. Das deutsche Sprichwort ''"Lunte riechen"'' ist da selbsterklĂ€rend.+Nach preußischer Vorschrift von 1860 besteht die Lunte aus einem Âœ-5/8 Zoll dicken, aus 3 FĂ€den Hanfwerg gesponnenen Seil, welches 4 Tage lang in einer Auflösung von 6,1g essigsaurem Bleizucker (Bleiacetat) auf 1 Liter weichem Wasser mit öfterem RĂŒhren getaucht bleibt und danach getrocknet wird. 1 Fuß brennt 1-1,25 Std. (oder im Freien bei Windstille 8 Zoll/Std., im Zimmer 4 Zoll/Std.).
 + 
 +[[Ruggieri]] und Morel empfahlen vor 200 Jahren Stricke aus Hanfwerg, die 3 Tage lang in einer Lauge aus Hartholzasche, 1/3 Teil ungelöschtem Kalk (Calciumoxid), 1 Teil Salpeter (Kaliumnitrat) und 2 Teilen gefilterter BrĂŒhe von Ochsen- oder Pferdemist gekocht wurden. Das deutsche Sprichwort ''"Lunte riechen"'' ist da selbsterklĂ€rend.
Uchatius empfahl 1848 das 24 stĂŒndige Beizen von 10 Pfund Hanfstricken in 4 Maß Regenwasser, worin 1 Pfund Bleinitrat gelöst ist. Uchatius empfahl 1848 das 24 stĂŒndige Beizen von 10 Pfund Hanfstricken in 4 Maß Regenwasser, worin 1 Pfund Bleinitrat gelöst ist.
-Der Pyrotechniker Adolf Pirker empfahl 1892 geflochtene, 20mm dicke und 15-20cm lange StĂŒcke von Baumwollstricken, getrĂ€nkt in einer Reibschale mit einer gut abgeriebenen Substanz von 140g feinpulverisiertem [[Kaliumnitrat]] und 40 Esslöffel Spiritus, die danach getrocknet wurden.+Der Pyrotechniker Adolf Pirker empfahl 1892 geflochtene, 20mm dicke und 15-20cm lange StĂŒcke von Baumwollstricken, getrĂ€nkt in einer Reibschale mit einer gut abgeriebenen Substanz von 140g feinpulverisiertem Kaliumnitrat und 40 Esslöffel Spiritus, die danach getrocknet wurden.
[[Kategorie:Lexikon]] [[Kategorie:Lexikon]]
[[Kategorie:Historisch]] [[Kategorie:Historisch]]

Aktuelle Version

Histor. LuntenstockhÀuschen
vergrĂ¶ĂŸern
Histor. LuntenstockhÀuschen
Moderne Lunte aus Valencia
vergrĂ¶ĂŸern
Moderne Lunte aus Valencia
Lunte 
(Englisch: Slow Match)

Die Lunte ist eines der Ă€ltesten AnzĂŒndmittel der Feuerwerkerei. Sie besteht aus einem geflochtenen Strick aus pflanzlichen Fasern, der mit einer Lauge von Chemikalien getrĂ€nkt wurde. Heutzutage werden Lunten noch auf Malta (bedingt durch das dort traditionelle, oft mehrere Stunden andauernde Schießen von einzelnen großen, mit viel Liebe und großem Zeitaufwand per Hand hergestellter Mehrschlagbomben) und in Spanien (bedingt durch das dort traditionelle Luntenfeuerzeug) als AnzĂŒndmittel der Kinder fĂŒr Kinderfeuerwerk benutzt.

Eine Rezeptur zur traditionellen Herstellung:

10m gesponnenes Flachs- oder Hanfseil von mindestens 6mm Durchmesser wird 1 Stunde in einem Holzascheaufguß (10% K2CO3) oder 5% Kaliumkarbonatlösung gekocht, um Lignin aufzulösen und so die Pflanzenstruktur aufzubrechen. Dieser Prozess heißt in Altdeutsch "beuchen", im Englischen "bucking". Danach wird das Seil mit einer Tasse Essig in Wasser gewaschen und getrocknet. Das getrocknete Seil wird dann in einer PlastiktĂŒte mit 100ml einer 5% Bleiacetatlösung in destilliertem Wasser plus 2 Löffel Essig ĂŒbergossen, gut durchgeknetet und anschließend handtrocken gepresst und danach getrocknet. GrundsĂ€tzlich kann jede pflanzliche Faser (selbst gedrehtes Papier) als minderwertiger Ersatz fĂŒr Flachs oder Hanf dienen. Das Bleiacetat kann durch Kaliumbichromat ersetzt werden.

Moderne Lunte wird ohne gesundheitsschĂ€dliche schwermetallhaltige Bestandteile produziert. Ihre Behandlung basiert im wesentlichen auf trĂ€nken mit einer Lösung von Kaliumnitrat in Wasser. Die Konzentration muss dabei so eingestellt werden, dass die Abbrandgeschwindigkeit der Lunte gleichmĂ€ssig und nicht zu heftig erfolgt, aber auch kein Erlöschen befĂŒrchtet werden muss. ZusĂ€tze oder vorherige Behandlung mit EssigsĂ€ure oder ZitronensĂ€ure können die Abbrandgeschwindigkeit steigern, Kaliumhydroxid dagegen die Aufnahme des Nitrats in die Faser verbessern, Natriumhydrogencarbonat den Abbrand kontrolliert verlangsamen und StĂ€rke die Lunte gegen Feuchtigkeit unempfindlicher machen.

Gute Lunte lĂ€ĂŸt sich leicht entzĂŒnden, brennt auch bei schlechter Witterung gleichförmig fort und bildet eine harte spitze Kohle.

Weitere historische Herstellungsmethoden sind:

Nach preußischer Vorschrift von 1860 besteht die Lunte aus einem Âœ-5/8 Zoll dicken, aus 3 FĂ€den Hanfwerg gesponnenen Seil, welches 4 Tage lang in einer Auflösung von 6,1g essigsaurem Bleizucker (Bleiacetat) auf 1 Liter weichem Wasser mit öfterem RĂŒhren getaucht bleibt und danach getrocknet wird. 1 Fuß brennt 1-1,25 Std. (oder im Freien bei Windstille 8 Zoll/Std., im Zimmer 4 Zoll/Std.).

Ruggieri und Morel empfahlen vor 200 Jahren Stricke aus Hanfwerg, die 3 Tage lang in einer Lauge aus Hartholzasche, 1/3 Teil ungelöschtem Kalk (Calciumoxid), 1 Teil Salpeter (Kaliumnitrat) und 2 Teilen gefilterter BrĂŒhe von Ochsen- oder Pferdemist gekocht wurden. Das deutsche Sprichwort "Lunte riechen" ist da selbsterklĂ€rend.

Uchatius empfahl 1848 das 24 stĂŒndige Beizen von 10 Pfund Hanfstricken in 4 Maß Regenwasser, worin 1 Pfund Bleinitrat gelöst ist. Der Pyrotechniker Adolf Pirker empfahl 1892 geflochtene, 20mm dicke und 15-20cm lange StĂŒcke von Baumwollstricken, getrĂ€nkt in einer Reibschale mit einer gut abgeriebenen Substanz von 140g feinpulverisiertem Kaliumnitrat und 40 Esslöffel Spiritus, die danach getrocknet wurden.