Pyrotechnik und Spezialeffekte bei Film- und Fernsehen

Pyrotechnische Erzeugnisse werden nicht nur für Groß- und Indoor-Feuerwerke sowie Bühnenshows, sondern auch bei Film- und Fernsehaufnahmen für oft spektakuläre Effekte eingesetzt.

Filmpyrotechniker haben im Gegensatz zu Groß- und Bühnenfeuerwerkern selten echtes Publikum; ihre Zuschauer sind vor allem Filmkameras. Sie arbeiten eng mit dem Regisseur und den Stuntdarstellern, Kameraleuten, Feuerwehrleuten, Cuttern und Computer-Animationsspezialisten zusammen. Ziel dieser Teamarbeit ist es, gemeinsam für die im Drehbuch beschriebenen Effekte (Spezialeffekte, 'Special Effects', SFX) technische Lösungen zu erarbeiten und diese so sicher und auch so kostengünstig wie möglich zu realisieren. Zusätzlich zu den pyrotechnischen Fähigkeiten sind deshalb auch Kenntnisse erforderlich über Fotografie, Filmschnitt, digitale Nachbearbeitung und vor allem über den organisatorischen Ablauf einer Filmproduktion.

Im Unterschied zu Groß- und Bühnenfeuerwerken wird bei der Filmpyrotechnik selten mit gebrauchsfertig hergestellten Effekten, die einen vom Hersteller oder Gesetzgeber festgelegten Sicherheitsabstand haben, gearbeitet. Vielmehr kommen Stoffe und Gemische wie Schwarzpulver, verschiedene brennbare Flüssigkeiten und Gase, industrielle Sprengstoffe, Rauchpulver, Lycopodiumpulver, Leichtmetallspäne usw. zum Einsatz. Der Umgang mit diesen Stoffen und vor allem das Festlegen der Sicherheitsabstände erfordern langjährige Erfahrung und besonderes Verantwortungsbewusstsein. Vor allem die Stuntleute, die sich beim Zünden der Spezialeffekte oft in deren unmittelbarer Nähe befinden, müssen sich blind auf die von den Pyrotechnikern bestimmten Abstände verlassen können. Spezialeffekte für Film und Fernsehen erfordern aufwendige Vorbereitung, da die Anforderungen sich meist unterscheiden und deshalb für viele Effekte neue Lösungen gefunden werden müssen.

Spezialeffekte müssen jedoch nicht immer spektakulär mit pyrotechnischen Gemischen oder Sprengstoffen realisiert werden. Auch mit chemischen Substanzen oder mechanischen Konstruktionen können besondere Effekte erzielt werden, z.B. Regen, Schnee, Bodennebel, künstliche Wunden, an Schnüren geführte Brandpfeile usw. Aufgrund der Vielzahl der Anforderungen spezialisieren sich Filmpyrotechniker häufig auf bestimmte Sparten, z.B. auf Darstellung von Schwerelosigkeit mittels Flugapparaten ('Flying Riggs'), Modellsprengungen oder Wetter- bzw. Presslufteffekte (Gasbooster).

EXPLOSION EINES MOTORBOOTES (LYCOPODIUMEXPLOSION)
EXPLOSION EINES MOTORBOOTES (LYCOPODIUMEXPLOSION)
EXPLOSION EINES MOTORBOOTES (LYCOPODIUMEXPLOSION)
EXPLOSION EINES MOTORBOOTES (LYCOPODIUMEXPLOSION)

Die wohl spektakulärsten Effekte bei Film und Fernsehen sind Explosionen mit gewaltiger Feuer- und Flammenentwicklung, z.B. explodierende Autos, LKWs und andere Fahrzeuge, Gasflaschen und Tanks sowie Gebäude und Bauwerke. Bei den Explosionen werden je nach Anforderung gerichtete Ladungen, kleine Ansatz- oder große Treib- und Sprengladungen umgesetzt. Für zusätzliche Flammenbildung verwendet man z.B. brennbare Flüssigkeiten, Brandgel und Propangas. Auch Mehl-/Staubexplosionen eignen sich für Spezialeffekte. Hierbei werden große Mengen von Mehl mittels einer Sprengladung zerstäubt und entzündet.

EIN AUTO WIRD VON EINEM LAVASTROM ERFASST
EIN AUTO WIRD VON EINEM LAVASTROM ERFASST
SIMULIERTER GRANATEINSCHLAG
SIMULIERTER GRANATEINSCHLAG

Lassen sich Explosionen aus Kostengründen, wegen zu hoher Gefahren oder technischer Schwierigkeiten nicht im Original durchführen, bedient man sich häufig einer Modellsprengung. Hierbei werden sehr genaue, speziell angefertigte Modelle mit kleinen Ladungen gesprengt. Bei der Film-Nachbearbeitung werden die Modellaufnahmen in Realaufnahmen eingefügt und mit diesen kombiniert. Überschläge von Autos lassen sich mit Rampen oder mit Hilfe von Stickstoff- oder Schwarzpulverkanonen (Stempel), realisieren. Soll das Fahrzeug nicht zugleich explodieren, werden manchmal Funken, zerspringendes Glas oder Rauch und Staub als zusätzliche Effekte eingesetzt. Dies hat auch den Vorteil, dass man damit die für den Überschlag benötigte Rampe oder Kanone verdecken kann. Filmpyrotechnik kann auch Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche oder militärische Kampfhandlungen mit Panzertreffern, Einschüssen, Minenexplosionen oder Granateinschlägen simulieren.

BRANDBEKÄMPFUNG BEI EINEM SCHAUEINSATZ
BRANDBEKÄMPFUNG BEI EINEM SCHAUEINSATZ
TYPISCHE STUNTSHOW IN EINEM FILMSTUDIO
TYPISCHE STUNTSHOW IN EINEM FILMSTUDIO
HIER DIE 'ACTION SHOW' IN DEN BAVARIA FILMSTUDIOS IN MÜNCHEN
FEUERFESTE SILIKONMASKE ZUM SCHUTZ DES STUNTMAN
FEUERFESTE SILIKONMASKE ZUM SCHUTZ DES STUNTMAN
STUNTMAN BEI EINEM ZIMMERBRAND
STUNTMAN BEI EINEM ZIMMERBRAND

Zusätzlich zu Filmaufnahmen haben Filmpyrotechniker auch "Live-Auftritte". Dafür inszenieren sie bei Feuerwehr- und Katastrophenschutzübungen, Brandschaueinsätzen oder Stuntshows Brände. Die Stuntleute tragen nicht brennbare Anzüge und sind manchmal zusätzlich durch Masken aus feuerfestem Silikon und sog. Watergel gegen die Flammeneinwirkung geschützt. Trotzdem können sie sich nur sehr kurze Zeit im Feuer aufhalten und müssen anschließend von ihren Kollegen "gelöscht" werden.



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Fire, Ice and Magic - Andreas Tügel
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